Der leise Riese

Der Zeppelin ist leise und behäbig. dennoch versetzt er alle Sinne seiner Passagiere in Verzückung.

  • Fotos: Uwe Stohrer

Normalerweise fliegt er ja über dem Bodensee. In diesem Jahr feiert die Züricher Airline Edelweiss aber ihr 20jähriges Bestehen. Deshalb hat sie zum Jubiläum einen Zeppelin NT für eine Schweiz-Tournee gechartert. Dieser kommt ins Aargau und bietet von 25. bis 31. August ab dem Flugplatz Birrfeld Rundflüge an. Zwar sind die Flüge bereits ausgebucht, viele Schaulustige auch von der deutschen Seite des Hochrheins werden es sich nicht nehmen lassen, der fliegenden Zigarre bei Start und Landung zuzuschauen

Von Bad Säckingen aus ist es für Anwohner vom Hochrhein nur eine geringe Entfernung, um ein für lange Zeit einmaliges Luftfahrt-Schauspiel auf Schweizer Seite beobachten zu können. Denn am Flugplatz Birrfeld wird eine Woche lang ein 75 Meter langer Zeppelin starten und landen. Das an Bord gehen bei der fliegenden Zigarre geschieht immer paarweise. Wer hier als Single in der kleinen Warteschlange steht, bekommt eben einen Partner zugewiesen - zumindest fürs Einsteigen. Denn um die fragile Balance des Zeppelins nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, dürfen auf je zwei aussteigende Gäste immer nur je zwei Passagiere in die Kabine klettern. Dann heißt es anschnallen und erst einmal durchatmen. Anders als in den eng bestuhlten Kabinen moderner Passagierflugzeuge finden sich hier an Bord opulente Raum- und Sichtverhältnisse. Jeder der zwölf Passagiere hat einen Platz am Fenster, und diese sind keine kleinen Bullaugen, sondern riesige Scheiben, durch die fast ein Rundumblick möglich ist. Aber das Allerbeste: Hat der Zeppelin NT nach dem Abheben und einem kurzem steilen Steigflug seine Reiseflughöhe von etwa 300 Meter erreicht, darf sich jeder Fluggast frei in der Kabine hin und herbewegen.

Fast schon eine Art Separeè befindet sich im Heck der Passagierkabine: Eine Sitzfläche für zwei Personen mit Panoramascheibe lässt einen atemberaubenden Blick auf das Heck des Luftschiffs oder direkt in die Tiefe zu. Kein Wunder, dass in dem kurzen Einführungsfilm vor dem Flug ein früherer Kommandant davon schwärmt, dass das Luftschiff die schönste Art des Reisens sei. Wer einmal Zeppelin geflogen ist, wird ihm beipflichten. Schließlich ist die Sicht unvergleichlich, die drei Propellermotoren sind kaum zu hören und in welchem Luftfahrzeug ist es sonst erlaubt, unterwegs das Fenster aufzumachen? Eile und Hektik fallen von den Passagieren ab, jeder der Fluggäste steht an einem Fenster und beobachtet fasziniert die Landschaft, die wie in einem Film langsam unter dem Luftschiff vorbeizeiht. Manch einer schaut auch dem Piloten über die Schulter, der seine Instrumente scannt und mit der linken Hand den Sidestick für die Steuerung und der Rechten die verschiedenen Hebel für Leistung, Gemischregelung und Schubrichtung bedient.

Die Mehrzahl der Piloten kommt ursprünglich aus der Hubschrauberfliegerei. Denn Zeppelinfliegen kann man nicht wie beim Segel-, Motor- oder Helikopterflug von der Pike auf erlernen, sondern man muss als Pilot quasi umsteigen. Deshalb bildet die Zeppelin-Reederei im deutschen Friedrichshafen auch Luftschiff-Führer aus. Diese müssen aber bereits eine Berufspilotenlizenz mitbringen, entweder für Flugzeuge oder Hubschrauber. Derzeit sind sechs Piloten, darunter eine Frau, fest angestellt. Sie steuern entweder den in Friedrichshafen stationierten Zeppelin NT, wobei das NT für Neue Technologie steht, oder das Schwesterschiff, das in diesem Sommer von insgesamt sechs Standorten aus in der Schweiz operiert. In Basel, Zürich und Interlaken ist der Zeppelin bereits geflogen, Sitterdorf und Grenchen sind die nächsten Stationen, Birrfeld bildet den Abschluss der Schweiz-Tournee. Bei geeignetem Wetter wird an sieben Tagen in der Woche geflogen.

Der Faszination des langsamen, nahezu lautlosen Fliegens erliegen viele Passagiere. Allerdings ist ein Zeppelin nichts für eilige Reisende. Etwa 65 Kilometer je Stunde erreicht der Zeppelin NT im Reiseflug. Aber Speed ist überhaupt kein Thema – eher so etwas wie die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Der große Vorteil des modernen Zeppelins ist zudem seine eigens entwickelte Schubsteuerung: Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit. Zwar wird der Zeppelin NT bei Reisegeschwindigkeit ähnlich wie ein Flugzeug durch Seiten- und Höhenruder gesteuert. Diese lassen aber bei Geschwindigkeiten unter etwa 45 Kilometer je Stunde deutlich in ihrer Wirkung nach. Durch Schwenken eines Propellers nach unten kann die Nickbewegung des Luftschiffs verstärkt oder veringert werden, ein zweiter Propeller im Heck wirkt ähnlich wie der Heckrotor eines Helikopters in seitlicher Richtung. Diese beiden Luftschrauben kompensieren im Langsamflug die nachlassende Wirkung der Ruderflächen und werden ebenso wie diese durch einen Sidestick vom Piloten angesteuert.

Den bis zu zwölf Passagieren wird bei ihren Flügen über Lenzburg, Baden und Wettingen diese Manövrierfähigkeit eines modernen Zeppelins eher nicht so wichtig sein. Stattdessen betrachten die Gäste an Bord vermutlich umso gespannter, wie das Luftschiff nach seinem halbstündigen Flug wieder sanft auf dem Rasen aufsetzen und von der vierköpfigen Bodencrew in Empfang genommen wird. Dann heißt es die vielen faszinierenden Eindrücke erstmal verarbeiten.

 

 

Normalerweise fliegt er ja über dem Bodensee. In diesem Jahr feiert die Züricher Airline Edelweiss aber ihr 20jähriges Bestehen. Deshalb hat sie zum Jubiläum einen Zeppelin NT für eine Schweiz-Tournee gechartert. Dieser kommt ins Aargau und bietet von 25. bis 31. August ab dem Flugplatz Birrfeld Rundflüge an. Zwar sind die Flüge bereits ausgebucht, viele Schaulustige auch von der deutschen Seite des Hochrheins werden es sich nicht nehmen lassen, der fliegenden Zigarre bei Start und Landung zuzuschauen

Von Bad Säckingen aus ist es für Anwohner vom Hochrhein nur eine geringe Entfernung, um ein für lange Zeit einmaliges Luftfahrt-Schauspiel auf Schweizer Seite beobachten zu können. Denn am Flugplatz Birrfeld wird eine Woche lang ein 75 Meter langer Zeppelin starten und landen. Das an Bord gehen bei der fliegenden Zigarre geschieht immer paarweise. Wer hier als Single in der kleinen Warteschlange steht, bekommt eben einen Partner zugewiesen - zumindest fürs Einsteigen. Denn um die fragile Balance des Zeppelins nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, dürfen auf je zwei aussteigende Gäste immer nur je zwei Passagiere in die Kabine klettern. Dann heißt es anschnallen und erst einmal durchatmen. Anders als in den eng bestuhlten Kabinen moderner Passagierflugzeuge finden sich hier an Bord opulente Raum- und Sichtverhältnisse. Jeder der zwölf Passagiere hat einen Platz am Fenster, und diese sind keine kleinen Bullaugen, sondern riesige Scheiben, durch die fast ein Rundumblick möglich ist. Aber das Allerbeste: Hat der Zeppelin NT nach dem Abheben und einem kurzem steilen Steigflug seine Reiseflughöhe von etwa 300 Meter erreicht, darf sich jeder Fluggast frei in der Kabine hin und herbewegen.

Fast schon eine Art Separeè befindet sich im Heck der Passagierkabine: Eine Sitzfläche für zwei Personen mit Panoramascheibe lässt einen atemberaubenden Blick auf das Heck des Luftschiffs oder direkt in die Tiefe zu. Kein Wunder, dass in dem kurzen Einführungsfilm vor dem Flug ein früherer Kommandant davon schwärmt, dass das Luftschiff die schönste Art des Reisens sei. Wer einmal Zeppelin geflogen ist, wird ihm beipflichten. Schließlich ist die Sicht unvergleichlich, die drei Propellermotoren sind kaum zu hören und in welchem Luftfahrzeug ist es sonst erlaubt, unterwegs das Fenster aufzumachen? Eile und Hektik fallen von den Passagieren ab, jeder der Fluggäste steht an einem Fenster und beobachtet fasziniert die Landschaft, die wie in einem Film langsam unter dem Luftschiff vorbeizeiht. Manch einer schaut auch dem Piloten über die Schulter, der seine Instrumente scannt und mit der linken Hand den Sidestick für die Steuerung und der Rechten die verschiedenen Hebel für Leistung, Gemischregelung und Schubrichtung bedient.

Die Mehrzahl der Piloten kommt ursprünglich aus der Hubschrauberfliegerei. Denn Zeppelinfliegen kann man nicht wie beim Segel-, Motor- oder Helikopterflug von der Pike auf erlernen, sondern man muss als Pilot quasi umsteigen. Deshalb bildet die Zeppelin-Reederei im deutschen Friedrichshafen auch Luftschiff-Führer aus. Diese müssen aber bereits eine Berufspilotenlizenz mitbringen, entweder für Flugzeuge oder Hubschrauber. Derzeit sind sechs Piloten, darunter eine Frau, fest angestellt. Sie steuern entweder den in Friedrichshafen stationierten Zeppelin NT, wobei das NT für Neue Technologie steht, oder das Schwesterschiff, das in diesem Sommer von insgesamt sechs Standorten aus in der Schweiz operiert. In Basel, Zürich und Interlaken ist der Zeppelin bereits geflogen, Sitterdorf und Grenchen sind die nächsten Stationen, Birrfeld bildet den Abschluss der Schweiz-Tournee. Bei geeignetem Wetter wird an sieben Tagen in der Woche geflogen.

Der Faszination des langsamen, nahezu lautlosen Fliegens erliegen viele Passagiere. Allerdings ist ein Zeppelin nichts für eilige Reisende. Etwa 65 Kilometer je Stunde erreicht der Zeppelin NT im Reiseflug. Aber Speed ist überhaupt kein Thema – eher so etwas wie die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Der große Vorteil des modernen Zeppelins ist zudem seine eigens entwickelte Schubsteuerung: Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit. Zwar wird der Zeppelin NT bei Reisegeschwindigkeit ähnlich wie ein Flugzeug durch Seiten- und Höhenruder gesteuert. Diese lassen aber bei Geschwindigkeiten unter etwa 45 Kilometer je Stunde deutlich in ihrer Wirkung nach. Durch Schwenken eines Propellers nach unten kann die Nickbewegung des Luftschiffs verstärkt oder veringert werden, ein zweiter Propeller im Heck wirkt ähnlich wie der Heckrotor eines Helikopters in seitlicher Richtung. Diese beiden Luftschrauben kompensieren im Langsamflug die nachlassende Wirkung der Ruderflächen und werden ebenso wie diese durch einen Sidestick vom Piloten angesteuert.

Den bis zu zwölf Passagieren wird bei ihren Flügen über Lenzburg, Baden und Wettingen diese Manövrierfähigkeit eines modernen Zeppelins eher nicht so wichtig sein. Stattdessen betrachten die Gäste an Bord vermutlich umso gespannter, wie das Luftschiff nach seinem halbstündigen Flug wieder sanft auf dem Rasen aufsetzen und von der vierköpfigen Bodencrew in Empfang genommen wird. Dann heißt es die vielen faszinierenden Eindrücke erstmal verarbeiten.

 

 

 
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