Businessjet-Ansturm zum WEF-Meeting Davos

Das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos hat Auswirkungen bis auf den Bodenseeflughafen St.Gallen-Altenrhein. Hier findet gerade ein regelrechter Ansturm von Business-Jets statt

  • Fotos: Uwe Stohrer
  • Text: Jürgen Schelling

Es ist derzeit wohl einer der wertvollsten Parkplätze der Welt. Denn hier stehen Challenger, Global, Gulfstream, Legacy und Falcon dicht an dicht nebeneinander. Was für Laien wie die Namen von Computerspielen klingt sind in Wirklichkeit Typenbezeichnungen, die bei Luftfahrt-affinen Menschen die Augen leuchten lassen. Denn am kleinen Flughafen St.Gallen-Altenrhein auf der schweizerischen Seite des Bodensee ist derzeit alles an Business Jets zu finden, was groß, edel und teuer ist. Zwei- oder dreistrahlige Flugzeuge, alle im Wert von ein- oder zweistelligen Euro-Millionensummen starten oder landen hier im Minutentakt, um Teilnehmer des heute beginnenden World Economic Forum (WEF) im nahegelegenen Davos einzufliegen.

Rund 400 Flugbewegungen finden in Altenrhein während der bis Freitag dauernden WEF-Tagung statt. Am beeindruckendsten sind Starts und Landungen der Topmodelle des US-Flugzeugbauers Gulfstream, der Global-Jets des kanadischen Unternehmens Bombardier oder der Falcon-Dreistrahler des französischen Herstellers Dassault. Diese Flugzeuge würden auf den Automobilbau übertragen etwa der Bentley- oder Rolls-Royce-Kategorie entsprechen. Noch größere Maschinen auf Airbus- oder Boeing-Basis mit Regierungsvertretern an Bord oder superreichen Privatpersonen, quasi die Bugatti-Liga, fliegen allerdings nach Zürich und parken dort, weil mehr Platz und deutlich längere Runways vorhanden sind. Zudem sind in Zürich Instrumentenanflüge bei schlechtem Wetter auf alle Landebahnen und in alle Richtungen möglich, in Altenrhein gibt es hingegen lediglich eine 1500 Meter lange Runway, die nur in Landerichtung “10” einen Instrumentenanflug erlaubt. Einige der zum WEF anreisenden Jets landen auch auf dem Militärplatz Dübendorf nahe Zürich, bei dem eigens zur Tagung in Davos eine temporäre Passagierabfertigung eingerichtet ist.

Viele der Jets in Altenrhein fliegen gleich wieder weiter, nachdem die Passagiere ausgestiegen sind, weil die Parkflächen nicht ausreichen. Diese Maschinen werden dann etwa im benachbarten Friedrichshafen oder in Stuttgart abgestellt. Selbst im französischen Lyon werden noch Jets stationiert, die ihre WEF-Passagiere einige Tage später wieder in Altenrhein abholen. Bei den größeren Jets sind immer zwei Piloten im Cockpit vorgeschrieben, kleinere wie etwa die sechs- bis achtplätzigen Citation-Muster von Cessna oder die Phenom-Modelle des brasilianischen Herstellers Embraer werden aber auch im sogenannten ”Single-Pilot-Betrieb“ geflogen. Das bedeutet, dass nur ein Pilot vorhanden sein muss.

Auch bei der Reichweite der Jets gibt es markante Unterschiede. So kommen viele der kleineren Maschinen nonstop etwa bis zu 2000 Kilometer weit. Andere hingegen fliegen mal locker über den Atlantik. Im vergangenen Jahr etwa landeten in Altenrhein zum WEF zwei Jets, einer kam nonstop von der US-Ostküste, der andere im Direktflug aus der Karibik.

Es sind aber nicht nur Jets, die hier zum WEF einfliegen. Auch Propellermaschinen werden von einigen Teilnehmern zur Anreise genutzt, ein- oder zweimotorige Flugzeuge mit Propellerturbinen. Diese sind genauso allwettertauglich wie die Jets, fliegen in der Regel aber deutlich langsamer wie die Düsenflugzeuge und haben geringere Reichweiten. Dafür sind sie sparsamer beim Spritverbrauch und kommen mit kürzeren Start- und Landestrecken aus als ihre strahlgetriebenen Kollegen.

Für die Bodenmannschaft des Airports ist das Parken der vielen Geschäftsreiseflugzeuge eine logistische Meisterleistung. Weil die Abstellflächen eigentlich zu klein für den Ansturm sind, werden die Jets anders als an großzügig dimensionierten Airports eng hinter- und nebeneinander geparkt. Das geschieht mit Hilfe von kräftigen Fahrzeugen, die die Flugzeuge mit Hilfe einer Schleppstange einparken. Muss dann aber womöglich die hinterste Maschine als Erste wieder abfliegen, werden alle anderen Flugzeuge an die Schleppstange genommen werden, ausgeparkt und verschoben, bis der eigentlich vorgesehene Jet an der Reihe ist. Dabei darf nichts passieren, denn an den millionenschweren Jets würde jeder noch so kleine Rempler richtig teuer.

Der Linienbetrieb in Altenrhein wird durch den Ansturm der Business Jets allerdings nicht beeinträchtigt, da in den Wintermonaten ohnehin nur wenig Airline-Verkehr stattfindet. Während der WEF-Tage gelten zudem verlängerte Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr, um den Flugbetrieb etwas zu entzerren. Am Samstag, dem traditionellen Abreisetag vom WEF, ist in Altenrhein von 7 bis 22 Uhr Flugbetrieb möglich.

Verzögerungen oder Behinderungen können allerdings durch die zu dieser Jahreszeit vorherrschenden winterlichen Wetterbedingungen entstehen. Die Maschinen müssen bei starkem Schneefall oder gefrierendem Regen vor dem Start zusätzlich manuell durch das Aufsprühen einer speziellen Flüssigkeit enteist werden. Zudem ist der Abrollweg am Ende der Runway in Richtung ”10“ als zusätzliche Abstellfläche für WEF-Flugzeuge vorgesehen. Die Jets müssen deshalb nach der Landung am Ende der Piste wenden und auf der Runway zurückrollen, um von dort aufs Vorfeld zu gelangen. Das kostet zwar Zeit. Dafür gelingt die Abfertigung auf dem kleinen Airport rasch und unkompliziert, da die Wege extrem kurz sind. Zudem sind die WEF-Teilnehmer mit einem Limousinenservice von Altenrhein aus relativ flott am Ziel. Knapp eineinhalb Stunden Autofahrt dauert es bis zum Tagungsort Davos. Deutlich schneller geht es zwar mit einem hier ebenfalls verfügbaren Heli-Shuttle. Allerdings benötigen die Piloten der Helikopter Sichtflugbedingungen. Sollte es während der vier WEF-Tage dauerhaft dichten Nebel haben, können die Hubschrauber weder starten oder landen. Dann bleibt nur das Auto.

Eigens zum WEF wird aus Sicherheitsgründen vom eidgenössischen Bundesrat auch jedes Jahr auf Antrag des schweizerischen Bundesamtes für Zivilluftfahrt eine Flugverbotszone eingerichtet. Dieser für den zivilen Verkehr bis zu einer Höhe von 19500 Fuß oder knapp 6000 Meter gesperrte Luftraum liegt in einem Radius von etwa 40 Kilometern rings um Davos und wird von Militär-Jets der schweizerischen Luftwaffe überwacht. Hier dürfen sich bis zum 21. Januar nur noch angemeldete Shuttle-Helikopter sowie die Hubschrauber von Polizei, Militär oder Rettungsdiensten am Himmel bewegen. In einer etwas kleineren Sperrzone ist selbst Modellflug oder das Fliegenlassen von Drohnen ebenso wie Drachen- oder Gleitschirmfliegen verboten.

Die WEF-Woche ist für den Airport St. Gallen–Altenrhein aber nicht nur die arbeitsreichste, sondern auch betriebswirtschaftlich wichtigste des ganzen Jahres. Denn in dieser Zeit ist etwa drei- bis viermal soviel los wie im Durchschnitt. “Mann und Maus” sind jetzt im Einsatz, so einer der Flughafen-Verantwortlichen. Dafür gibt es für die Mitarbeiter aber im Anschluss auch etwas zu erzählen. Denn neben Wirtschaftsbossen und Regierungsvertretern sind viele Prominente aus dem Film- oder Musikgeschäft gern in Davos beim WEF dabei – und der eine oder andere landet deshalb zur Freude der Airport-Angestellten in Altenrhein. Und anders als bei größeren Flughäfen bietet der eidgenössische Bodensee-Airport für Neugierige und sogenannte Planespotter durch die unmittelbare Nähe des Flughafenzauns zu Runway und Vorfeld jetzt vier Tage lang ganz großes Kino.

Es ist derzeit wohl einer der wertvollsten Parkplätze der Welt. Denn hier stehen Challenger, Global, Gulfstream, Legacy und Falcon dicht an dicht nebeneinander. Was für Laien wie die Namen von Computerspielen klingt sind in Wirklichkeit Typenbezeichnungen, die bei Luftfahrt-affinen Menschen die Augen leuchten lassen. Denn am kleinen Flughafen St.Gallen-Altenrhein auf der schweizerischen Seite des Bodensee ist derzeit alles an Business Jets zu finden, was groß, edel und teuer ist. Zwei- oder dreistrahlige Flugzeuge, alle im Wert von ein- oder zweistelligen Euro-Millionensummen starten oder landen hier im Minutentakt, um Teilnehmer des heute beginnenden World Economic Forum (WEF) im nahegelegenen Davos einzufliegen.

Rund 400 Flugbewegungen finden in Altenrhein während der bis Freitag dauernden WEF-Tagung statt. Am beeindruckendsten sind Starts und Landungen der Topmodelle des US-Flugzeugbauers Gulfstream, der Global-Jets des kanadischen Unternehmens Bombardier oder der Falcon-Dreistrahler des französischen Herstellers Dassault. Diese Flugzeuge würden auf den Automobilbau übertragen etwa der Bentley- oder Rolls-Royce-Kategorie entsprechen. Noch größere Maschinen auf Airbus- oder Boeing-Basis mit Regierungsvertretern an Bord oder superreichen Privatpersonen, quasi die Bugatti-Liga, fliegen allerdings nach Zürich und parken dort, weil mehr Platz und deutlich längere Runways vorhanden sind. Zudem sind in Zürich Instrumentenanflüge bei schlechtem Wetter auf alle Landebahnen und in alle Richtungen möglich, in Altenrhein gibt es hingegen lediglich eine 1500 Meter lange Runway, die nur in Landerichtung “10” einen Instrumentenanflug erlaubt. Einige der zum WEF anreisenden Jets landen auch auf dem Militärplatz Dübendorf nahe Zürich, bei dem eigens zur Tagung in Davos eine temporäre Passagierabfertigung eingerichtet ist.

Viele der Jets in Altenrhein fliegen gleich wieder weiter, nachdem die Passagiere ausgestiegen sind, weil die Parkflächen nicht ausreichen. Diese Maschinen werden dann etwa im benachbarten Friedrichshafen oder in Stuttgart abgestellt. Selbst im französischen Lyon werden noch Jets stationiert, die ihre WEF-Passagiere einige Tage später wieder in Altenrhein abholen. Bei den größeren Jets sind immer zwei Piloten im Cockpit vorgeschrieben, kleinere wie etwa die sechs- bis achtplätzigen Citation-Muster von Cessna oder die Phenom-Modelle des brasilianischen Herstellers Embraer werden aber auch im sogenannten ”Single-Pilot-Betrieb“ geflogen. Das bedeutet, dass nur ein Pilot vorhanden sein muss.

Auch bei der Reichweite der Jets gibt es markante Unterschiede. So kommen viele der kleineren Maschinen nonstop etwa bis zu 2000 Kilometer weit. Andere hingegen fliegen mal locker über den Atlantik. Im vergangenen Jahr etwa landeten in Altenrhein zum WEF zwei Jets, einer kam nonstop von der US-Ostküste, der andere im Direktflug aus der Karibik.

Es sind aber nicht nur Jets, die hier zum WEF einfliegen. Auch Propellermaschinen werden von einigen Teilnehmern zur Anreise genutzt, ein- oder zweimotorige Flugzeuge mit Propellerturbinen. Diese sind genauso allwettertauglich wie die Jets, fliegen in der Regel aber deutlich langsamer wie die Düsenflugzeuge und haben geringere Reichweiten. Dafür sind sie sparsamer beim Spritverbrauch und kommen mit kürzeren Start- und Landestrecken aus als ihre strahlgetriebenen Kollegen.

Für die Bodenmannschaft des Airports ist das Parken der vielen Geschäftsreiseflugzeuge eine logistische Meisterleistung. Weil die Abstellflächen eigentlich zu klein für den Ansturm sind, werden die Jets anders als an großzügig dimensionierten Airports eng hinter- und nebeneinander geparkt. Das geschieht mit Hilfe von kräftigen Fahrzeugen, die die Flugzeuge mit Hilfe einer Schleppstange einparken. Muss dann aber womöglich die hinterste Maschine als Erste wieder abfliegen, werden alle anderen Flugzeuge an die Schleppstange genommen werden, ausgeparkt und verschoben, bis der eigentlich vorgesehene Jet an der Reihe ist. Dabei darf nichts passieren, denn an den millionenschweren Jets würde jeder noch so kleine Rempler richtig teuer.

Der Linienbetrieb in Altenrhein wird durch den Ansturm der Business Jets allerdings nicht beeinträchtigt, da in den Wintermonaten ohnehin nur wenig Airline-Verkehr stattfindet. Während der WEF-Tage gelten zudem verlängerte Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr, um den Flugbetrieb etwas zu entzerren. Am Samstag, dem traditionellen Abreisetag vom WEF, ist in Altenrhein von 7 bis 22 Uhr Flugbetrieb möglich.

Verzögerungen oder Behinderungen können allerdings durch die zu dieser Jahreszeit vorherrschenden winterlichen Wetterbedingungen entstehen. Die Maschinen müssen bei starkem Schneefall oder gefrierendem Regen vor dem Start zusätzlich manuell durch das Aufsprühen einer speziellen Flüssigkeit enteist werden. Zudem ist der Abrollweg am Ende der Runway in Richtung ”10“ als zusätzliche Abstellfläche für WEF-Flugzeuge vorgesehen. Die Jets müssen deshalb nach der Landung am Ende der Piste wenden und auf der Runway zurückrollen, um von dort aufs Vorfeld zu gelangen. Das kostet zwar Zeit. Dafür gelingt die Abfertigung auf dem kleinen Airport rasch und unkompliziert, da die Wege extrem kurz sind. Zudem sind die WEF-Teilnehmer mit einem Limousinenservice von Altenrhein aus relativ flott am Ziel. Knapp eineinhalb Stunden Autofahrt dauert es bis zum Tagungsort Davos. Deutlich schneller geht es zwar mit einem hier ebenfalls verfügbaren Heli-Shuttle. Allerdings benötigen die Piloten der Helikopter Sichtflugbedingungen. Sollte es während der vier WEF-Tage dauerhaft dichten Nebel haben, können die Hubschrauber weder starten oder landen. Dann bleibt nur das Auto.

Eigens zum WEF wird aus Sicherheitsgründen vom eidgenössischen Bundesrat auch jedes Jahr auf Antrag des schweizerischen Bundesamtes für Zivilluftfahrt eine Flugverbotszone eingerichtet. Dieser für den zivilen Verkehr bis zu einer Höhe von 19500 Fuß oder knapp 6000 Meter gesperrte Luftraum liegt in einem Radius von etwa 40 Kilometern rings um Davos und wird von Militär-Jets der schweizerischen Luftwaffe überwacht. Hier dürfen sich bis zum 21. Januar nur noch angemeldete Shuttle-Helikopter sowie die Hubschrauber von Polizei, Militär oder Rettungsdiensten am Himmel bewegen. In einer etwas kleineren Sperrzone ist selbst Modellflug oder das Fliegenlassen von Drohnen ebenso wie Drachen- oder Gleitschirmfliegen verboten.

Die WEF-Woche ist für den Airport St. Gallen–Altenrhein aber nicht nur die arbeitsreichste, sondern auch betriebswirtschaftlich wichtigste des ganzen Jahres. Denn in dieser Zeit ist etwa drei- bis viermal soviel los wie im Durchschnitt. “Mann und Maus” sind jetzt im Einsatz, so einer der Flughafen-Verantwortlichen. Dafür gibt es für die Mitarbeiter aber im Anschluss auch etwas zu erzählen. Denn neben Wirtschaftsbossen und Regierungsvertretern sind viele Prominente aus dem Film- oder Musikgeschäft gern in Davos beim WEF dabei – und der eine oder andere landet deshalb zur Freude der Airport-Angestellten in Altenrhein. Und anders als bei größeren Flughäfen bietet der eidgenössische Bodensee-Airport für Neugierige und sogenannte Planespotter durch die unmittelbare Nähe des Flughafenzauns zu Runway und Vorfeld jetzt vier Tage lang ganz großes Kino.

 
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