Im Zeppelin über Zürich forschen

Der Zeppelin NT ist zwar am Bodensee zuhause. Mitte Oktober schwebte er aber von Dübendorf aus über die Region Zürich. Forscher e

  • Fotos: Uwe Stohrer
  • Text: Jürgen Schelling

Auf dem Gelände des Flugplatzes Dübendorf herrscht Mitte Oktober auffallende Geschäftigkeit. Das Luftfahrzeug auf dem Vorfeld sprengt eindeutig die hier üblichen Dimensionen. Mit 75 Metern länger als ein Airbus A380 und imposante 17 Meter hoch, dazu gefüllt mit tausenden Kubikmetern unbrennbares Helium ist der Zeppelin NT eine unübersehbare Erscheinung.

Die Piloten sprechen unterdessen noch einmal die Flugroute über der Region Zürich mit ihren dicht beflogenen Lufträumen und die Wetterprognosen durch. Der Zeppelin NT, das NT steht für Neue Technologie, ist in Dübendorf vier Tage im Auftrag der Zürcher Swiss Skylab Foundation stationiert. Diese Stiftung fördert die wissenschaftliche und technologische Nutzung von Flugplattformen in der Schweiz. An ihr sind Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen beteiligt. Über Dübendorf und Zürich werden wissenschaftliche Einsätze des Zeppelin NT in den Bereichen Fernerkundung bei Schadstoffmessungen, Umweltüberwachung sowie der Telemedizin und der Sicherheit bei Grossveranstaltungen erprobt. Beteiligt an den Flügen sind die ETHZ, die Uni Basel und Zürich, die ZHAW, aber auch die Stadtpolizei und die EMPA.

Am frühen Nachmittag ist der Zeppelin NT mit laufenden Motoren erneut abflugbereit. Jetzt gibt der Pilot der Bodenmannschaft das Zeichen zum Abheben und schiebt die Gashebel nach vorn. Fast senkrecht steigt der Zeppelin brummend in den Himmel. An Bord in Dübendorf sind statt der üblichen Rundfluggäste mehrere Wissenschaftler. Denn für sie ist der Zeppelin zukünftig ein Hilfsmittel im Dienst der Forschung.

Er ist als fliegende Plattform für einige Forschungsvorhaben prädestiniert. Denn anders als ein Helikopter schwebt er äusserst vibrationsarm, zudem ist in der Kabine jede Menge Platz sowohl für die Wissenschaftler als auch für Messequipment oder hochsensible Kameras. Mit der grösste Vorteil des Zeppelin NT ist aber, dass er bis zu zwölf Stunden nonstop fliegen kann. Er muss also nicht wie ein Hubschrauber alle zwei bis drei Stunden eine Tankpause einlegen. Dennoch kann er genau wie die Helikopter in der Luft stehenbleiben, was bei manchen Messungen zwingend notwendig ist. In Deutschland wird der Zeppelin NT deshalb immer wieder für wissenschaftliche Forschungseinsätze genutzt. In der Schweiz ist das bisher noch ein Novum.

Auch für die Piloten sind diese Flüge etwas Besonderes. Im normalen Passagierbetrieb sind sie vor allem auf festgelegten Routen am Bodensee unterwegs. Bei den Forschungsflügen heisst es aber, spontan zu reagieren statt eine vorgegebene Strecke nachzufliegen und daher ständig Kurs oder Höhe zu ändern. Normalerweise wird im Zeppelin auch nur ein Flugkapitän zum Steuern benötigt. Da Forschungsmissionen aber bis zu zehn Stunden nonstop dauern können wechseln sich bei derartigen Flügen zwei Piloten an Bord ab. Mit einer Hand wird während des Flugs ein Sidestick für die Steuerung bedient, mit der anderen die Hebel für Leistung und Schubrichtung der drei jeweils 200 PS starken Lycoming-Vierzylinder. Die Motorgondeln sind so weit schwenkbar, dass der normalerweise etwa 70 km/h schnelle Zeppelin wie ein Hubschrauber oder Senkrechtstarter stehen bleiben oder notfalls sogar rückwärts fliegen kann. Dazu ist aber umfangreiche Flugerfahrung notwendig. Wohl auch deshalb gibt es weltweit mehr Astronauten wie Zeppelinpiloten. 

Für diese bedeutet das Fliegen über der Region Zürich vor allem, sich noch genauer als sonst mit der Navigation und den unterschiedlichen Lufträumen zu beschäftigen. Denn durch die Nähe zu Kloten mit dessen ständigem An- und Abflugverkehr muss präzise navigiert oder auch die Flughöhe variiert werden. Ausserdem ist wie im Sichtflug üblich immer nach anderen Flugzeugen oder Hubschraubern Ausschau zu halten. Es heisst also aufpassen für Luftschiff-Piloten über Zürich und Dübendorf.

Dass ein Zeppelin NT in der heutigen Zeit überhaupt wirtschaftlich zu betreiben ist liegt an seiner sogenannten Schubvektorsteuerung. Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit deutlich. Deshalb reichen lediglich vier Mitarbeiter am Boden aus, um den Passagierein- und ausstieg oder das Andocken am Ankermast zu betreuen. Das verringert die Personalkosten spürbar, denn bei den früher üblichen Prall-Luftschiffen, die weniger wendig sind, ist eine vielfach grössere Bodencrew notwendig. Der Zeppelin hat auch anders als Prall-Luftschiffe ein festes Innengerüst unter der Hülle. Daran sind die drei Motoren ebenso wie die Kabine befestigt, in der viel Platz herrscht. Wo die Forscher ihre Messgeräte überwachen können sonst bis zu 14 Passagiere sitzen. Lediglich bei zu hohen Windgeschwindigkeiten, Nebel oder zu tief hängenden Wolken muss er am Boden bleiben. Und seit dem Erstflug vor 20 Jahren am 18. September 1997 fliegen die acht bisher gebauten Zeppeline NT unfallfrei.

 

Auf dem Gelände des Flugplatzes Dübendorf herrscht Mitte Oktober auffallende Geschäftigkeit. Das Luftfahrzeug auf dem Vorfeld sprengt eindeutig die hier üblichen Dimensionen. Mit 75 Metern länger als ein Airbus A380 und imposante 17 Meter hoch, dazu gefüllt mit tausenden Kubikmetern unbrennbares Helium ist der Zeppelin NT eine unübersehbare Erscheinung.

Die Piloten sprechen unterdessen noch einmal die Flugroute über der Region Zürich mit ihren dicht beflogenen Lufträumen und die Wetterprognosen durch. Der Zeppelin NT, das NT steht für Neue Technologie, ist in Dübendorf vier Tage im Auftrag der Zürcher Swiss Skylab Foundation stationiert. Diese Stiftung fördert die wissenschaftliche und technologische Nutzung von Flugplattformen in der Schweiz. An ihr sind Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen beteiligt. Über Dübendorf und Zürich werden wissenschaftliche Einsätze des Zeppelin NT in den Bereichen Fernerkundung bei Schadstoffmessungen, Umweltüberwachung sowie der Telemedizin und der Sicherheit bei Grossveranstaltungen erprobt. Beteiligt an den Flügen sind die ETHZ, die Uni Basel und Zürich, die ZHAW, aber auch die Stadtpolizei und die EMPA.

Am frühen Nachmittag ist der Zeppelin NT mit laufenden Motoren erneut abflugbereit. Jetzt gibt der Pilot der Bodenmannschaft das Zeichen zum Abheben und schiebt die Gashebel nach vorn. Fast senkrecht steigt der Zeppelin brummend in den Himmel. An Bord in Dübendorf sind statt der üblichen Rundfluggäste mehrere Wissenschaftler. Denn für sie ist der Zeppelin zukünftig ein Hilfsmittel im Dienst der Forschung.

Er ist als fliegende Plattform für einige Forschungsvorhaben prädestiniert. Denn anders als ein Helikopter schwebt er äusserst vibrationsarm, zudem ist in der Kabine jede Menge Platz sowohl für die Wissenschaftler als auch für Messequipment oder hochsensible Kameras. Mit der grösste Vorteil des Zeppelin NT ist aber, dass er bis zu zwölf Stunden nonstop fliegen kann. Er muss also nicht wie ein Hubschrauber alle zwei bis drei Stunden eine Tankpause einlegen. Dennoch kann er genau wie die Helikopter in der Luft stehenbleiben, was bei manchen Messungen zwingend notwendig ist. In Deutschland wird der Zeppelin NT deshalb immer wieder für wissenschaftliche Forschungseinsätze genutzt. In der Schweiz ist das bisher noch ein Novum.

Auch für die Piloten sind diese Flüge etwas Besonderes. Im normalen Passagierbetrieb sind sie vor allem auf festgelegten Routen am Bodensee unterwegs. Bei den Forschungsflügen heisst es aber, spontan zu reagieren statt eine vorgegebene Strecke nachzufliegen und daher ständig Kurs oder Höhe zu ändern. Normalerweise wird im Zeppelin auch nur ein Flugkapitän zum Steuern benötigt. Da Forschungsmissionen aber bis zu zehn Stunden nonstop dauern können wechseln sich bei derartigen Flügen zwei Piloten an Bord ab. Mit einer Hand wird während des Flugs ein Sidestick für die Steuerung bedient, mit der anderen die Hebel für Leistung und Schubrichtung der drei jeweils 200 PS starken Lycoming-Vierzylinder. Die Motorgondeln sind so weit schwenkbar, dass der normalerweise etwa 70 km/h schnelle Zeppelin wie ein Hubschrauber oder Senkrechtstarter stehen bleiben oder notfalls sogar rückwärts fliegen kann. Dazu ist aber umfangreiche Flugerfahrung notwendig. Wohl auch deshalb gibt es weltweit mehr Astronauten wie Zeppelinpiloten. 

Für diese bedeutet das Fliegen über der Region Zürich vor allem, sich noch genauer als sonst mit der Navigation und den unterschiedlichen Lufträumen zu beschäftigen. Denn durch die Nähe zu Kloten mit dessen ständigem An- und Abflugverkehr muss präzise navigiert oder auch die Flughöhe variiert werden. Ausserdem ist wie im Sichtflug üblich immer nach anderen Flugzeugen oder Hubschraubern Ausschau zu halten. Es heisst also aufpassen für Luftschiff-Piloten über Zürich und Dübendorf.

Dass ein Zeppelin NT in der heutigen Zeit überhaupt wirtschaftlich zu betreiben ist liegt an seiner sogenannten Schubvektorsteuerung. Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit deutlich. Deshalb reichen lediglich vier Mitarbeiter am Boden aus, um den Passagierein- und ausstieg oder das Andocken am Ankermast zu betreuen. Das verringert die Personalkosten spürbar, denn bei den früher üblichen Prall-Luftschiffen, die weniger wendig sind, ist eine vielfach grössere Bodencrew notwendig. Der Zeppelin hat auch anders als Prall-Luftschiffe ein festes Innengerüst unter der Hülle. Daran sind die drei Motoren ebenso wie die Kabine befestigt, in der viel Platz herrscht. Wo die Forscher ihre Messgeräte überwachen können sonst bis zu 14 Passagiere sitzen. Lediglich bei zu hohen Windgeschwindigkeiten, Nebel oder zu tief hängenden Wolken muss er am Boden bleiben. Und seit dem Erstflug vor 20 Jahren am 18. September 1997 fliegen die acht bisher gebauten Zeppeline NT unfallfrei.

 

 
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