Zeppelin auf Tour nach Berlin

Ein Zeppelin vom Bodensee flog Mitte Mai nach Berlin. Tausende Zuschauer bestaunten die fliegende Zigarre, die tief über der Hauptstadt schwebte

  • Fotos: Uwe Stohrer
  • Text: Jürgen Schelling

Da bekamen etliche Passanten große Augen, als plötzlich ein mächtiger Zeppelin tief und mitten über der Innenstadt von Berlin auftauchte. Das mehr als 70 Meter lange Luftschiff kam vom Bodensee. In der Hauptstadt sollte es als Werbeträger über dem Formel-E-Grandprix der Elektrorennwagen für einen Friedrichshafener Autozulieferer fliegen.

Wie aber fühlt sich so eine Reise im Zeppelin an? Die Gäste an diesem Maivormittag auf dem Flughafen Friedrichshafen am Bodensee sind voller Erwartung. Denn der bevorstehende Überführungsflug mit Ziel Berlin hat viel mit Nostalgie zu tun. Reisen im Zeppelin ist weder schnell noch preiswert. Aber diese Form des Lufttransports versetzt den Mitflieger auf eine Zeitreise in eine Ära, als Fliegen noch Abenteuer und aussergewöhnliches Privileg war.

Am Bodensee gibt der Pilot nach dem Warmlaufen jetzt das Zeichen zum Abheben. Er schiebt die Gashebel der drei jeweils 200 PS starken Motoren nach vorn. Beim Start drückt es die Gäste an Bord weder in den Sitz wie im Airliner noch wackelt es wie im Hubschrauber. Steil steigt das Luftschiff gen Himmel, aber alles wirkt ein bisschen wie in Zeitlupe verzögert. Es ist quasi die wiedergewonnene Faszination der Langsamkeit. Zeppelinfliegen ist eine höchst geruhsame, aber vor allem bezaubernde Art des Luftreisens. Die Sicht aus den großen Fenstern ist phantastisch. Bereits nach wenigen Minuten ist die Reiseflughöhe von nur 300 Metern erreicht. Nun geht der Zeppelin NT, das NT steht für Neue Technologie, auf Nordostkurs. Menschen am Boden schauen erstaunt zum Luftschiff hoch und winken.

Namensgeber Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelte die Giganten am Himmel einst gegen starke Widerstände und massive Rückschläge vor mehr als 100 Jahren am Bodensee. 1917 starb der Luftfahrt-Pionier, der als Erfinder des Starr-Luftschiffs mit einem festem Innenskelett aus Aluminium gilt. Die nach seinem Tod entwickelten Luftschiffe erreichten in ihrer Blütezeit riesige Ausmaße: Die Größten, der 1936 in Dienst gestellte LZ 129 “Hindenburg” und sein Schwesterschiff LZ 130 “Graf Zeppelin II”, hatten eine Länge von fast 245 Metern und einen Gasinhalt von etwa 190.000 Kubikmetern. Der LZ 129 begann vor 83 Jahren, am 4. März 1936, seine Erprobung mit dem Erstflug, der von Friedrichshafen nach Meersburg und zurück führte.

Er bot damals unvergleichlichen Komfort an Bord. Ein luxuriöses zweigeschossiges Passagierdeck mit Schlafkabinen für bis zu 72 Gäste und einem eigens aus leichtem Aluminium konstruierten Klavier zur musikalischen Unterhaltung, Mannschaftsquartiere für bis zu 60 Crewmitglieder, kräftige Motoren sowie das hochstabile Innenskelett machten die Hindenburg zu einem Meisterwerk der Ingenieurskunst. Ihr tragisches Ende am 6. Mai 1937 im US-amerikanischen Lakehurst ist bis heute unvergessen, auch wegen der dramatischen Filmaufnahmen und einer bewegenden Live-Radioreportage während des Unglücks. Denn kurz vor der geplanten Landung schiessen urplötzlich Flammen aus dem Heck des Luftschiffs. Es fängt an zu brennen und stürzt ab. 13 Passagiere, 22 Mitglieder der Crew und ein Mann des Bodenpersonals sterben, Dutzende weitere an Bord überleben wie durch ein Wunder. Damals ist die Hindenburg mit dem feuerentzündlichen Gas Wasserstoff gefüllt. Heute hingegen fliegen alle Zeppeline NT mit unbrennbarem Helium.

Mittlerweile hat der zweite Pilot ein Zeichen gegeben. Die Passagiere müssen nun nicht mehr angeschnallt sein. Alle Gäste an Bord spazieren nun durch die geräumige Kabine und betrachten die Landschaft. Auf diesem Sonderflug nach Berlin geht es nun Richtung Nürnberg.

Der Faszination des langsamen, nahezu lautlosen Fliegens erliegen auch die Gäste an Bord. Allerdings ist der Zeppelin nichts für eilige Menschen. Etwa 65 Kilometer je Stunde erreicht er im Reiseflug. Aber Geschwindigkeit ist überhaupt kein Thema. Der große Vorteil des Zeppelins ist zudem seine eigens entwickelte Schubvektorsteuerung: Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit. Zwar wird der Zeppelin NT bei Reisetempo ähnlich wie ein Flugzeug durch Seiten- und Höhenruder gesteuert. Diese lassen aber bei Geschwindigkeiten unter etwa 45 Kilometer je Stunde deutlich in ihrer Wirkung nach. Durch Schwenken eines Propellers nach unten kann die Nickbewegung des Luftschiffs verstärkt oder veringert werden, ein zweiter Propeller im Heck wirkt ähnlich wie der Heckrotor eines Helikopters in seitlicher Richtung.

Eine Panoramascheibe im Heck lässt einen atemberaubenden Blick nach unten zu. Kein Wunder, dass ehemalige Passagiere davon schwärmen, dass dies die schönste Art des Reisens sei. Wer einmal Zeppelin geflogen ist, wird vermutlich beipflichten. Schließlich ist die Sicht von hier aus unvergleichlich. Eile und Hektik fallen von den Passagieren ab, jeder der Fluggäste steht an einem Fenster und beobachtet fasziniert die Landschaft, die wie in einem Film langsam unter dem Luftschiff vorbeiziehen. Manch einer schaut auch dem Piloten über die Schulter, der seine Instrumente scannt und mit der linken Hand den Sidestick für die Steuerung und der Rechten die verschiedenen Hebel für Leistung und Schubrichtung bedient.

Die Piloten auf diesem Überführungsflug sind natürlich besonders erfahren. Neben fliegerischem Können gehört allerdings auch ein bisschen Glück dazu, einen Zeppelin NT fliegen zu dürfen. Denn es gibt weltweit mehr Astronauten wie Zeppelinpiloten. Und man muss selbst als erfahrener Pilot auf Flugzeugen oder Helikoptern ziemlich umlernen, um einen voluminösen Zeppelin zu steuern. Die Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen bildet ihre Luftschiff-Führer deshalb selbst aus. Bewerber müssen aber bereits eine Berufspilotenlizenz mitbringen, entweder für Flugzeuge oder noch lieber für Hubschrauber. Mindestens 800 Flugstunden sind Voraussetzung, um überhaupt eine Chance auf Anstellung zu haben.

Nun geht es weiter Richtung Hauptstadt. Kurz vor dem ehemaligen Berliner Militärflugplatz Gatow nimmt die Geschwindigkeit ab. Auch die drei Propeller der Motoren werden in eine andere Position gebracht, um zielgenau zu sinken. Das zuvor monotone Geräusch der Triebwerke ändert sich. Langsam schwebt der Zeppelin immer weiter gen Boden. Alle an Bord beobachten gespannt, wie er kurz darauf sanft auf einer Wiese des Flugplatzes aufsetzt. Die bereits wartende Bodenmannschaft dockt das Luftschiff sofort an. Das geschieht an einem eigens vom Bodensee hergefahrenen Lastwagen, auf dem ein massiver Ankermast montiert ist.

Die begeisterten Passagiere steigen nun aus und haben Gelegenheit, die vielen Eindrücke dieser wunderbaren Luftreise etwas zu verarbeiten.

Da bekamen etliche Passanten große Augen, als plötzlich ein mächtiger Zeppelin tief und mitten über der Innenstadt von Berlin auftauchte. Das mehr als 70 Meter lange Luftschiff kam vom Bodensee. In der Hauptstadt sollte es als Werbeträger über dem Formel-E-Grandprix der Elektrorennwagen für einen Friedrichshafener Autozulieferer fliegen.

Wie aber fühlt sich so eine Reise im Zeppelin an? Die Gäste an diesem Maivormittag auf dem Flughafen Friedrichshafen am Bodensee sind voller Erwartung. Denn der bevorstehende Überführungsflug mit Ziel Berlin hat viel mit Nostalgie zu tun. Reisen im Zeppelin ist weder schnell noch preiswert. Aber diese Form des Lufttransports versetzt den Mitflieger auf eine Zeitreise in eine Ära, als Fliegen noch Abenteuer und aussergewöhnliches Privileg war.

Am Bodensee gibt der Pilot nach dem Warmlaufen jetzt das Zeichen zum Abheben. Er schiebt die Gashebel der drei jeweils 200 PS starken Motoren nach vorn. Beim Start drückt es die Gäste an Bord weder in den Sitz wie im Airliner noch wackelt es wie im Hubschrauber. Steil steigt das Luftschiff gen Himmel, aber alles wirkt ein bisschen wie in Zeitlupe verzögert. Es ist quasi die wiedergewonnene Faszination der Langsamkeit. Zeppelinfliegen ist eine höchst geruhsame, aber vor allem bezaubernde Art des Luftreisens. Die Sicht aus den großen Fenstern ist phantastisch. Bereits nach wenigen Minuten ist die Reiseflughöhe von nur 300 Metern erreicht. Nun geht der Zeppelin NT, das NT steht für Neue Technologie, auf Nordostkurs. Menschen am Boden schauen erstaunt zum Luftschiff hoch und winken.

Namensgeber Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelte die Giganten am Himmel einst gegen starke Widerstände und massive Rückschläge vor mehr als 100 Jahren am Bodensee. 1917 starb der Luftfahrt-Pionier, der als Erfinder des Starr-Luftschiffs mit einem festem Innenskelett aus Aluminium gilt. Die nach seinem Tod entwickelten Luftschiffe erreichten in ihrer Blütezeit riesige Ausmaße: Die Größten, der 1936 in Dienst gestellte LZ 129 “Hindenburg” und sein Schwesterschiff LZ 130 “Graf Zeppelin II”, hatten eine Länge von fast 245 Metern und einen Gasinhalt von etwa 190.000 Kubikmetern. Der LZ 129 begann vor 83 Jahren, am 4. März 1936, seine Erprobung mit dem Erstflug, der von Friedrichshafen nach Meersburg und zurück führte.

Er bot damals unvergleichlichen Komfort an Bord. Ein luxuriöses zweigeschossiges Passagierdeck mit Schlafkabinen für bis zu 72 Gäste und einem eigens aus leichtem Aluminium konstruierten Klavier zur musikalischen Unterhaltung, Mannschaftsquartiere für bis zu 60 Crewmitglieder, kräftige Motoren sowie das hochstabile Innenskelett machten die Hindenburg zu einem Meisterwerk der Ingenieurskunst. Ihr tragisches Ende am 6. Mai 1937 im US-amerikanischen Lakehurst ist bis heute unvergessen, auch wegen der dramatischen Filmaufnahmen und einer bewegenden Live-Radioreportage während des Unglücks. Denn kurz vor der geplanten Landung schiessen urplötzlich Flammen aus dem Heck des Luftschiffs. Es fängt an zu brennen und stürzt ab. 13 Passagiere, 22 Mitglieder der Crew und ein Mann des Bodenpersonals sterben, Dutzende weitere an Bord überleben wie durch ein Wunder. Damals ist die Hindenburg mit dem feuerentzündlichen Gas Wasserstoff gefüllt. Heute hingegen fliegen alle Zeppeline NT mit unbrennbarem Helium.

Mittlerweile hat der zweite Pilot ein Zeichen gegeben. Die Passagiere müssen nun nicht mehr angeschnallt sein. Alle Gäste an Bord spazieren nun durch die geräumige Kabine und betrachten die Landschaft. Auf diesem Sonderflug nach Berlin geht es nun Richtung Nürnberg.

Der Faszination des langsamen, nahezu lautlosen Fliegens erliegen auch die Gäste an Bord. Allerdings ist der Zeppelin nichts für eilige Menschen. Etwa 65 Kilometer je Stunde erreicht er im Reiseflug. Aber Geschwindigkeit ist überhaupt kein Thema. Der große Vorteil des Zeppelins ist zudem seine eigens entwickelte Schubvektorsteuerung: Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit. Zwar wird der Zeppelin NT bei Reisetempo ähnlich wie ein Flugzeug durch Seiten- und Höhenruder gesteuert. Diese lassen aber bei Geschwindigkeiten unter etwa 45 Kilometer je Stunde deutlich in ihrer Wirkung nach. Durch Schwenken eines Propellers nach unten kann die Nickbewegung des Luftschiffs verstärkt oder veringert werden, ein zweiter Propeller im Heck wirkt ähnlich wie der Heckrotor eines Helikopters in seitlicher Richtung.

Eine Panoramascheibe im Heck lässt einen atemberaubenden Blick nach unten zu. Kein Wunder, dass ehemalige Passagiere davon schwärmen, dass dies die schönste Art des Reisens sei. Wer einmal Zeppelin geflogen ist, wird vermutlich beipflichten. Schließlich ist die Sicht von hier aus unvergleichlich. Eile und Hektik fallen von den Passagieren ab, jeder der Fluggäste steht an einem Fenster und beobachtet fasziniert die Landschaft, die wie in einem Film langsam unter dem Luftschiff vorbeiziehen. Manch einer schaut auch dem Piloten über die Schulter, der seine Instrumente scannt und mit der linken Hand den Sidestick für die Steuerung und der Rechten die verschiedenen Hebel für Leistung und Schubrichtung bedient.

Die Piloten auf diesem Überführungsflug sind natürlich besonders erfahren. Neben fliegerischem Können gehört allerdings auch ein bisschen Glück dazu, einen Zeppelin NT fliegen zu dürfen. Denn es gibt weltweit mehr Astronauten wie Zeppelinpiloten. Und man muss selbst als erfahrener Pilot auf Flugzeugen oder Helikoptern ziemlich umlernen, um einen voluminösen Zeppelin zu steuern. Die Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen bildet ihre Luftschiff-Führer deshalb selbst aus. Bewerber müssen aber bereits eine Berufspilotenlizenz mitbringen, entweder für Flugzeuge oder noch lieber für Hubschrauber. Mindestens 800 Flugstunden sind Voraussetzung, um überhaupt eine Chance auf Anstellung zu haben.

Nun geht es weiter Richtung Hauptstadt. Kurz vor dem ehemaligen Berliner Militärflugplatz Gatow nimmt die Geschwindigkeit ab. Auch die drei Propeller der Motoren werden in eine andere Position gebracht, um zielgenau zu sinken. Das zuvor monotone Geräusch der Triebwerke ändert sich. Langsam schwebt der Zeppelin immer weiter gen Boden. Alle an Bord beobachten gespannt, wie er kurz darauf sanft auf einer Wiese des Flugplatzes aufsetzt. Die bereits wartende Bodenmannschaft dockt das Luftschiff sofort an. Das geschieht an einem eigens vom Bodensee hergefahrenen Lastwagen, auf dem ein massiver Ankermast montiert ist.

Die begeisterten Passagiere steigen nun aus und haben Gelegenheit, die vielen Eindrücke dieser wunderbaren Luftreise etwas zu verarbeiten.

 

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